Will-O‘-The-Wisp

logo_wotwWill-O‘-The-Wisp war meine erste Band die eine echte vollständige Rock-Besetzung hatte: Sänger, 2 Gitarren, Bass + Drums. Aber fangen wir vorne an. Anfang 1991 nach dem Ende von Solution begannen Jan und ich zusammen mit Tobias ein bißchen an bei mir im Keller zu jammen. Wie das anfing, weiss ich nicht mehr genau aber irgendwann waren wir (erstmal zu dritt) eine Band. Sogar einen legendären Auftritt im Wohnzimmer einer Klassenkamardin hatten wir wo wir über eine Stunde unsere instrumentalen(!) Stücke zum Besten gaben. Dabei bewegten wir uns in durchaus progressiver Richtung, eins der Stücke trug den Arbeitstitel „With The Big Pause“, ein Stück bei dem das Schlagzeug ca. 10 Minuten aussetzt, man denkt, das Stück wäre am Ausklingen und dann ging’s nochmal so richtig ab. Kurzweilig ist was anderes aber das Publikum war ziemlichl hart im Nehmen, das Ganze ist sogar als Video dokumentiert (allerdings nur was für echte Fans ). Immerhin hatten wir auch schon ein (schlecht lesbares) Logo!

Insgesamt war das aber nur bedingt zufriedenstellend und deshalb suchten wir dann Mitmusiker über eine Anzeige im Musikladen und fanden auch bald einen Sänger. Der kam aus Bad Nauheim und schrieb schnell einige Texte auf deutsch. Nach der zweiten Probe erreichten wir ihn telefonisch nicht mehr, auch er meldete sich nicht mehr. Ich habe es sicherlich 100 Mal probiert, am Ende habe ich sogar eine Postkarte dorthin geschickt, weil ich mir das Ganze einfach nicht erklären konnte. Irgendwann habe ich dann doch erreicht und da teilte er mir mit, dass er längst eine andere Band hatte, mit der er sogar schon zwei Gigs gespielt hat. Nun gut, dass er keinen Bock mehr auf uns hatte hätten wir uns denken können, aber er hätte sich ja doch mal eine Minute Zeit für eine Absage nehmen können.

Wie auch immer, irgendwann fanden wir in Roger aus Heusenstamm einen Ersatz, der auch sehr motiviert war. Auch von ihm ging die Entscheidung aus auf Englisch weiterzumachen. Daß Roger dabei sowohl ein katastrophale englische Aussprache hatte  wie auch seine Texte von nicht allzuhoher Qualität waren („ßey searcht ße reason to kill ßemself and ßey found ße gold“)  störte uns dabei nicht – über seine vocalistischen Fähigkeiten will ich jetzt nicht auch noch herziehen. So schrieben wir munter einige Songs, die wir irgendwann dann auch mal live spielen wollten. Roger war befreundet mit der lokal recht erfolgreichen Band Chased Crime aus Heusenstamm, die er belaberte uns doch als Support spielen zu lassen. Da wir nicht in der Lage waren mit einer Aufnahme zu dienen besuchte uns die komplette Band im Proberaum um sich die Sache anzuhören (und uns kurz vorzumachen, dass sie eigentlich in einer ganz anderen Liga spielten). Wir konnten sie trotzdem überredenüberzeugen unter der Voraussetzung, dass wir einen Bassisten hätten. Sogar den zauberte Roger aus seinem Bekanntenkreis hervor, Stefan der klassische Bassist: sagt nichts, bewegst sich kaum – aber er lieferte die nötigen tiefen Töne. Damit konnte das ganze dann starten und wir verbrachten einen tollen Abend im Dezember 1990 im Isenburger Schloss als Vorgruppe besagter Band – das erste Mal, dass ich auf der Bühne mein T-Shirt auszog 🙂 Schon damals am Start eine supertreue Fanbase „die Heusenstammer 1. Reihe“, sämtlich aus Rogers Freundeskreis, die sich moschend und pogend unsere Stücke gaben – hier und bei allen folgenden Konzerten. Auch zu diesem Gig gibt es eine Videoaufnahme, die ich nicht vorenthalten möchte, auch wenn es nicht gerade HD ist.

Will-O'-The-Wisp 1991

Will-O‘-The-Wisp 1991

Es folgten noch einige weitere Konzerte, eins für das wir sogar 250 Mark Gage bekamen, ein anderes wo wir 100 Mark bezahlen mussten um die Anlage zu finanzieren. Mein Favorit war der Gig in Heusenstamm am Bannturm zwei Tage nachdem wir alle auf dem Guns’n’Roses-Konzert waren und Rock’n’Roll lebten! Ich hatte an dem Tag ein weißes T-Shirt mit dem (mit Edding geschriebenen) Schriftzug Will-O‘-The-Fucking-Wisp hinten drauf. Vor dem Konzert schlappten wir irgendwo durch die Stadt wo mich ein Typ ansprach „Ey, wieso hast’n Du ’n Will-O‘-T-Shirt an?“ Er kannte offensichtlich die Band, aber nicht mich. Das nenne ich mal eine ganz besondere Art von Prominenz!
Von diesem Konzert ist auch eine ganz passable Live-Aufnahme entstanden, von denen hier drei Stücke dargeboten werden, der einzige Tonbeweis unserer Musik, der noch existiert.

Communism
What Will We Leave Behind (etwas langsamerererer)
Will O‘ The Wisp

Eine Fotosession haben wir immerhin geschafft, der Plan war auch mal Demo-Aufnahmen zu machen, wir konnten uns aber irgendwie nicht über die Finanzierung einigen und irgendwann war die Luft raus. Auch vor dem Hintergrund, dass das Abi vor der Tür stand und die Zukunft weit offen war, entstand die Entscheidung aufzuhören.
Wir machten sogar noch einen Abschluss-Gig in der Leibniz-Schule und beendeten so offiziell und in aller Freundschaft diese Ära.

1992 Provoking Noise

Provoking Noise war eine Synthie-Pop-Band, die für meine Verhältnisse (in 1992) relativ erfolg reich war. Sie hatte schon zwei Demo-Tapes produziert und war sogar schon auf einer Compilation drauf. Sänger des Ganzen war mein Klassenkamerad Andreas, der auch das Ganze Equipment (Atari + einige Hardware) zur Verfügung stellte, kompositorisch aber nicht tätig war.

Irgendwann schmiss Andreas seinen ehemaligen Mitmusiker Basti raus, weil sich dieser nur noch fürs Vespa-Fahren interssierte, und suchte sich mit Sebastian und mir neue Leute.

Zunächst entstand folgender Song, der Refrain-Melodie ist von mir, den Main-Riff hatte Sebastian beigetragen und kam mir immer merkwürdig bekannt vor. Jahre später erst realisierte ich, dass er vom 64er-Spiel Giana Sisters geklaut war.
Textlich behandelte er einigermassen unpassend Andreas´ Schmerz über die Vespa-Leidenschaft unseres Vorgängers Basti.

Scooter Beat

Zum Vergleich, hier die Melodie von Giana Sisters:

Wir versuchten auch die Songs live mit echten Schlagzeug zu performen, stellen die Bemühungen aber relativ schnell wieder ein, als wir merkten, dass das gar nicht so einfach war.

Der zweite Song stammt musikalisch und textlich aus meiner Feder, wir mieteten uns dabei sogar bei einem Profi ins Wohnzimmerstudio ein und nahmen There’s No Help auf. Diesen Song finde ich nach wie vor ganz gelungen, auch wenn er eher nach 1982 klingt.

Irgendwann – vermutlich mit Erreichen des Autoführerscheins – kam Basti kam dann wieder zurück in die Band und zusammen mit ihm performten wir in einem Jugendzentrum einen Auftritt mit Halb-Play-Back, nur der Gesang kam nicht vom Band. Gemerkt hat es keiner, vor allem weil wir uns bei der Verkabelung der Synthies rege Mühe gaben, möglichst viele sinnlose Kabel anzubringen.

Irgendwer machte dann(angeblich) eine Connection zu Camouflage auf, bei denen wir in Dresden als Vorgruppe spielen sollten. Noch nicht mit der Dumlaberern in der Welt vertraut, buchte Sebastians komplette Familie Hotelzimmer für das Wochenende in Dresden. Komischerweise fand der Gig dann doch nicht statt.

Anschließend schmiss Andreas Sebastian und mich beide raus, da unsere Funktion Basti zu ersetzen ja überflüssig geworden war und stelle einen anderen Menschen ein, an dessen Name ich mich nicht mehr erinnere.
Zum ersten Gig in der neuen Besetzung ging ich als Zuschauer, durfte dann aber spontan doch nochmal mitspielen. Bei Halbplayback war das ja relativ egal wieviele Leute auf der Bühne nichts taten.
Danach merkte ich, dass das Ganze keinen Sinn hatte und strich von mir aus die Segel.

Immerhin konnte ich dadurch noch bewirken, dass ich auf dem damaligen Offenbach-Sampler namentlich als Band-Mitglied erwähnt wurde, obwohl ich den Song das 1. Mal gehört habe, als ich die CD einlegte, (und danach auch nicht wieder hören wollte), bei der Sampler-Release-Party war ich dann definitiv draussen.

Meine letzte Berührung mit PN fand dann bei einem Schulfest statt, bei dem ich nun wirklich als Zuschauer agierte und zusammen mit allen anderen Zuschauern Zeuge werden durfte, dass sie mittlerweile auf Vollplayback umgestellt hatten. Ja, auch dies will nunmal geübt sein.